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Fördern und Fordern an der Martinusschule Rheurdt
Das grundlegende Prinzip unseres Unterrichts ist die individuelle Förderung jeder Schülerin und jeden Schülers. Dazu gehört nicht nur die besondere Unterstützung bei Defiziten, sondern auch die Herausforderung besonderer Begabungen. Das Lernen wird bei uns nicht nur auf das Sehen und Hören beschränkt, sondern umfasst alle Sinne. Dieses ganzheitliche Lernen spricht den ganzen Körper und den Geist an. Der Förderunterricht hat vor allem die Aufgabe, Lernschwierigkeiten und Lernlücken auszugleichen, so dass die Kinder wieder eine sichere Grundlage für das Weiterlernen erhalten und den Spaß am Lernen nicht verlieren. Durch besondere Aufgaben wird die Weiterentwicklung besonderer Fähigkeiten und Interessen unterstützt. Der Förderunterricht soll den Kindern nicht nur einen Lernzuwachs ermöglichen, sondern ihnen auch Freude am Lernen vermitteln und die Kompetenzen der Kinder in vielerlei Hinsicht stärken (Sachkompetenz - learning to know, Methodenkompetenz - learning to do, Sozialkompetenz – learning to live together).
Diagnoseverfahren/ Beobachtungsbögen (siehe Anhang) An der Martinusschule werden alle Kinder nach ihrem individuellen Leistungsvermögen gefördert und gefordert. Einige Kinder brauchen dabei besondere Aufmerksamkeit, z.B. Kinder mit Teilleistungsschwächen (im Bereich Lesen und/oder Rechtschreiben, mit besonderen Schwächen im mathematischen oder motorischen Bereich), lernschwache Kinder, Kinder mit überdurchschnittlichen Begabungen, wahr-nehmungsgestörte Kinder, emotional gestörte Kinder, sozial vernachlässigte Kinder. Um Kinder mit diesen besonderen Förderbereichen zu erkennen, werden verschiedene Diagnoseverfahren angewendet und Beobachtungsbögen in gezielten und offenen Situationen eingesetzt.
1. Anmeldung der Schulneulinge
Bei der Anmeldung der Schulneulinge findet die erste Kontaktaufnahme mit den Lernanfängern statt. Im persönlichen Anmeldegespräch mit der Schulleiterin werden erste Erkenntnisse über die grundlegenden Kompetenzen gewonnen. Etwa im Oktober/November kommen die Schulneulinge in die Schule und durchlaufen den Einschulungsparcours, bei dem Basisfähigkeiten in verschiedenen Bereichen beobachtet werden (Grob- und Feinmotorik, sprachliche und auditive Fähigkeiten sowie mathematische Vorläufer-fähigkeiten). Ausgehend von den gewonnen Erkenntnissen werden Beratungsgespräche mit den Eltern und den Erzieherinnen des Kindergartens geführt und Schritte eingeleitet, welche die Schulfähigkeit des Kindes bis zum Schulbeginn fördern, bei Bedarf werden auch außerschulische Angebote empfohlen. Seit 2007 werden bereits im Kindergarten sprachliche Fähigkeiten und Fertigkeiten überprüft, die für das Erlernen der Schriftsprache von besonderer Wichtigkeit sind. Bei Defiziten wird zukünftig schon im Kindergarten an der Beseitigung dieser Probleme gearbeitet.
2. Schuleingangsphase
In Anlehnung an die Ergebnisse des Einschulungsparcours und anfängliche Unterrichtsbeobachtungen (standardisierter Beobachtungsbogen im Anhang) werden erste Förderpläne erarbeitet. Dabei werden nach dem Prinzip Fördern und Fordern nicht nur die Schüler mit Defiziten und Rückständen berücksichtigt, sondern auch Schüler mit besonderen Begabungen und Neigungen (genaueres siehe „Arbeit mit individuellen Förderplänen“). Im Verlauf des ersten und zweiten Schuljahres wird die Arbeit mit den Förderplänen vertieft und ausgeweitet. Im Rahmen unseres Förderkonzepts wird darauf hingearbeitet, dass jedes Kind nach zwei Jahren die Mindestanforderungen der Schuleingangsphase erreicht und ins dritte Schuljahr wechselt. Jedes Kind bekommt aber auch hier die Chance nach seinem Lerntempo die Inhalte der ersten beiden Jahre zu erarbeiten. Somit ist es möglich, die Schuleingansphase auch in einem oder in drei Jahren zu durchlaufen. Zum Abschluss der Schuleingangsphase werden die verbindlichen Anforderungen der Schuleingangsphase festgestellt. Ein Diagnoseverfahren z.B. zur Feststellung der Rechtschreibleistung ist die Hamburger Schreibprobe, die am Ende des zweiten Schuljahres den Leistungsstand des Kindes zeigt und mögliche Förderschwerpunkte offen legt.
3. Jahrgangsstufe 3 und 4
Die Arbeit mit individuellen Förderplänen wird in den beiden Jahrgangstufen weitergeführt. Förderempfehlungen zu den Zeugnissen ergänzen die Förderschwerpunkte, insbesondere bei Lernschwierigkeiten. Weiterführende Diagnoseverfahren und differenzierte Beobachtungsbögen (siehe Anhang) werden verstärkt in unterrichtsbegleitender Arbeit eingesetzt. Die Erkenntnisse aus der schulübergreifenden Lernstandserhebung (Vera) in Klasse 3 geben zusätzlich Aufschluss über Schwerpunkte, die in den Förderunterricht mit aufgenommen werden.
Individuelle Förderpläne
Ziele: • Stärken des Schülers/der Schülerin herausfinden und dem Schüler bewusst machen • Lernmotivation fördern, Erfolgs- und Könnenserlebnisse bewusst machen • individuelle Lern- und Arbeitsstrategien entwickeln • durch geeignete Fördermaßnahmen vorhandene Leistungsmöglichkeiten nutzen • Transparenz der Förderung wird gewährleistet und eine langfristige Optimierung der individuellen Förderung geboten
Die Erstellung eines individuellen Förderplans (Formular im Anhang) geschieht in folgenden Schritten:
1. Beobachten • Entwicklungsstand (aufgabenbezogene, kommunikative, soziale, motorische Fähigkeiten) • Verhalten in verschiedenen Situationen • gezielte und offene Beobachtungen (gestützt durch Beobachtungsbögen)
2. Beschreiben • den Ist-Stand schulischer (emotionaler, körperlicher) Entwicklung darstellen • Stärken und Schwächen benennen
3. Förderschwerpunkt • Festlegen von Entwicklungszielen • Fokussierung auf ein vordringliches Ziel • einen bestimmten Zeitraum festlegen, in dem das Ziel erreicht werden soll
4. Fördermaßnahmen • Wie kann das Ziel erreicht werden? • Festlegen von konkreten, auf den Förderschwerpunkt bezogenen Methoden und Fördermaßnahmen zur Erreichung des Ziels
5. Umsetzung • ... der festgesetzten Fördermaßnahmen
6. Evaluation • Überprüfung der Förderschwerpunkte • Sind die gesetzten Ziele erreicht worden? • Wenn ja, ggf. neue Förderschwerpunkte festlegen • Wenn nicht, Fördermaßnahmen überprüfen und nach den Ursachen forschen
Ein wichtiger Aspekt bei der Erstellung und Umsetzung der Förderpläne, ist die Zusammenarbeit mit den Eltern und natürlich auch mit dem Kind. Ziele sollten bestenfalls gemeinsam formuliert werden und dem Kind sollten besonders die Stärken, auf die wir bauen, bewusst werden. Die Förderpläne dienen als Grundlage für Förderempfehlungen, die bei nicht ausreichenden Leistungen als Anlage zum Zeugnis verfasst werden.
Umsetzungsmöglichkeiten
Die in den Förderplänen angestrebten Fördermaßnahmen finden in innerer und äußerer Differenzierung statt. In offenen Unterrichtsformen wie einem Tages- oder Wochenplan, einem Stationenbetrieb oder einem Werkstattangebot gelangen die Schüler dennoch selbstgesteuert zu individuellen Zielen. Sie werden zum selbstständigen Arbeiten angeregt und können dabei auch ihren persönlichen Neigungen nachkommen. Die Arbeitsaufgaben werden so differenziert gestellt, dass jedes Kind eigenständig an Lösungen gelangen und somit die grundlegenden Ziele des Unterrichts erreichen kann. Das heißt, dass Aufgaben in unterschiedlichen Zeiten, auf unterschiedlichen Wegen und auf unterschiedlichen Niveaus gelöst werden können. Neben der qualitativen Differenzierung findet auch eine Aufgabendifferenzierung in quantitativer Form statt.
Ein Projekt im Förderunterricht Mathematik findet in den Klassen 3 und 4 statt. Dort nehmen leistungsstarke Kinder des dritten Schuljahres am Mathematikunterricht im vierten Schuljahr teil, um ihren mathematischen Leistungen z.B. beim Anwenden von Rechengesetzen gerecht zu werden. Außerdem wird eine Förderung der Weiterentwicklung der Kompetenzen im Zahlenrechnen, in geometrischen und sachbezogenen Themen vollzogen.
Fördermaßnahmen im Bereich Lesen und Umgang mit Texten. Das Lesen hat an unserer Schule einen sehr hohen Stellenwert und wird in besonderem Maße gefördert durch viele lesebezogene Aktivitäten (Durchführung einer Lesewoche, und der Lesereise (organisiert durch die katholische Pfarrgemeinde), viele schuleigene Ganzschriften für die Klassen 1-4, Arbeit mit dem ANTOLIN-Programm in den Klassen 3 und 4 zur Verbesserung des Textverständnisses, Lesepass in Klasse 1, Lese-Patenschaften zwischen dem 1. und 4. Schuljahr).
Förderung der schriftsprachlichen Fähigkeiten. Durch die Arbeit mit der Anlauttabelle werden die Kinder schon zu Beginn ihrer Schulzeit mit Schrift und Schreiben konfrontiert. Sie werden von Anfang an motiviert, ihre Gedanken, Gefühle oder wichtige Ereignisse zu verschriften. Um den Reiz daran zu erhöhen, bekommen die Kinder zu Beginn der 1. Klasse eigene Kladden, die sie auch durch das 2.Schuljahr noch begleiten. Anhand dieser Lerntagebücher können auch immer wieder Erkenntnisse über den Entwicklungsstand der Kinder gezogen werden.
Förderung im Bereich der Rechtschreibung. In der dritten Klasse werden die Ergebnisse der Hamburger Schreibprobe gezielt zur Förderung bei Rechtschreibproblemen genutzt. Es werden Übungsmöglichkeiten eingesetzt, die auf die Bedürfnisse der Kinder zugeschnitten sind. Eine motivierende Möglichkeit unterschiedliche Rechtschreibschwerpunkte zu trainieren, sind Softwareprogramme. Dort werden Übungsformen gezielt zu diversen Bereichen der Rechtschreibung oder Grundwortschatzübungen angeboten. |
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